I. [Der Titel des ersten Satzes ist die Straße und Hausnummer des Veranstaltungsortes. Z. B. „Dreisamstr. 31“)
II. „Wie ich. Nur als Vogel. Und draußen.“
III. Ich und ich und du rufst nicht an.
IV. Abendlied.

Lüften. Den Vorhang zuziehen. Rausschauen. Hineinblicken. Ein Möglichkeitsfenster schließt sich. Fenster putzen. Windows hängt mal wieder. Fenstertage freinehmen. Ein vergittertes Fenster. Das Fenster schließen. (Es zieht nämlich.) Nur ein begrenztes Zeitfenster haben. …
Fenster als „Augen der Stadt“ (Hundertwasser) sind ein Membran zwischen dem öffentlichen und privaten Raum, eine trennende Verbindung zwischen Innen und Außen. Sie bieten Schutz vor Wind und Wetter und bringen Licht in die Wohnung – oder neugierige Blicke. Des Abends durch die Stadt zu laufen und das häusliche Leben zu beobachten ist eine mindestens genauso ausfüllende Betätigung wie durch das Fenster das bunte Treiben auf der Straße zu verfolgen. Hinter den Fenstern spielt sich die „kollektive Wirklichkeit getrennten Handelns“ (van Eikels) ab. Auf beiden Seiten der Fenster, um genau zu sein.
Die Stadt, das ist das Nebeneinander des Verschiedenartigen, das Werdende und das Gewordene, das im Ineinander Entstandene, das Offene, das Fremde – und immer wieder: das Ungreifbare. Eine Stadt ist mehr als die Summe der Einwohner*innen, mehr als die Anzahl der Häuser, mehr als eine Liste von Straßennamen, mehr als ein Verzeichnis aller Gullideckel oder Hundekottütenbehältnisse. Die Stadt nehmen wir oft nicht wahr, wenn wir in der Straßenbahn sitzend auf unseren Smartphone-Bildschirm starren oder in Gedanken versunken durch die Straßen laufen. Was ist also diese Stadt? Ein Lebensgefühl? Eine gemeine Gesellschaft von Menschen, die nicht viel mehr als das Anderssein gemein haben? Eine historisch gewachsene Ansammlung von Behausungen? (Man muss an „Stadtluft macht frei“ denken – aber heute hat die Stadtluft wahrscheinlich mehr Feinstaub als Freiheit.) Ein Durch- und Ineinander, ja eine Koexistenz von unterschiedlichen Räumen, getrennt und verbunden durch Wände, Türen und Fenster?

Mit: ensemble s c o p e (Leitung: Friederike Scheunchen), Lucia Kilger (Klangregie), Clemens K. Thomas (Video), Cornelius Reitmayr (Bühnenbild und Videomapping)

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