VAN-Magazin, 15.11.17
"In welchen Umgebungen finden kreative Prozesse im 21. Jahrhundert statt? Wo treffen verschiedene Vorstellungen von »Kreativität», verschiedene Kunst-Begriffe und Selbstbilder aufeinander? Das »MoKS - Centre for Art and Practice« in Mooste, einem kleinen Dorf im Südosten Estlands.
Ankunft
Nach etwa drei Stunden Busfahrt von Tallinn erreiche ich das 500-Seelen-Dorf Mooste im Südosten Estlands. Von der Bushaltestelle aus laufe ich erst an einem Sowjet-Plattenbau, dann dem 1909 errichtetem Herrenhaus, inzwischen Schulgebäude, vorbei. Hinter dem Schulgebäude leben und arbeiten seit 2001 Künstler*innen aus der ganzen Welt in einem »non-profit artist-run project space«. Deswegen bin ich hier. Auf einem kleinen Holzschild neben der Eingangstür des alten Gutshauses steht »MoKS - Centre for Art and Practice«. Die Tür steht offen. Im Eingangsbereich fordert mich ein Schild auf, meine Schuhe auszuziehen. Da niemand kommt, klopfe ich an eine Tür. Keine Reaktion. Ich öffne die Tür ein wenig und sehe John, mit Kopfhörern auf einem selbstgebauten Instrument musizierend. Ich warte, bis er fertig ist. Schließlich bemerkt er mich und unterbricht sein Spiel. Er führt mich durchs Haus und zeigt mir die Küche, den Aufenthaltsraum, die artist studios und mein Zimmer, in dem ich die nächsten zehn Tage wohnen werde. An den Wänden hängen Zeichnungen und Fotos. Die Möbel sehen größtenteils nach Do-it-yourself oder Second-Hand aus. John entschuldigt sich und geht zurück an sein Instrument, er übt für ein Konzert in ein paar Tagen in Riga. Direkt vor meinem Fenster steht eine alte Eiche. Alles ist sehr ruhig."

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