VAN-Magazin, 18.10.17
"In welchen Umgebungen finden kreative Prozesse im 21. Jahrhundert statt? Wo treffen verschiedene Vorstellungen von »Kreativität«, verschiedene Kunst-Begriffe und Selbstbilder aufeinander? Die »Platform 12« inmitten des schwäbischen Weltkonzerns BOSCH und die Fragen, welches Maß an Chaos und Offenheit dort möglich, warum es gewünscht ist – und: Welche Wirkung die Kunst in einer solchen Umgebung entfalten kann. 

Ankunft
In großen roten Lettern, von Weitem sichtbar, steht der Name BOSCH an der Gebäudefassade des 2015 errichteten »Zentrums für Forschung und Vorausentwicklung« der Robert Bosch GmbH. Rund 1700 Mitarbeiter*innen arbeiten hier am Standort Renningen, etwa eine Stunde von Stuttgart entfernt. Ich laufe auf das Hauptgebäude zu und muss an unpräzise aufeinander gestapelte Milchschnitten denken. Ganz oben, im 12. Stock, befindet sich die »Platform 12«, ein Experimentierraum, ein Ort der »Reflektion und kreativen Freifläche«. Deswegen bin ich hier. Ich betrete das Gebäude, alles ist sehr groß, sehr modern und sehr repräsentativ. Die Eingangshalle ist eine Mischung aus Hotellobby und Flughafen-Sicherheitskontrolle. Mit einem Besucherausweis ausgestattet fahre ich mit dem Aufzug in den 12. Stock. Die »Platform 12« ist fast menschenleer, es ist Feierabendzeit. Der Raum ist komplett verglast, an der Glasfront hängen vereinzelte Post-its. Ich darf sie nicht fotografieren, da ich unterzeichnen musste, alle sensiblen Daten »Dritten gegenüber geheim« zu halten. Hinter der Glasfront überblicke ich den BOSCH-Forschungscampus (ziemlich groß), sehe autonom fahrende Autos auf einer Teststrecke (ziemlich futuristisch) und am Horizont Renningen und das schwäbische Umland (ein ziemlicher Kontrast)."



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